Von der Challenge zum neuen Lebensgefühl

Von der Challenge zum neuen Lebensgefühl

Zuckerfrei leben… hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt, ob ich das mal ausprobieren möchte, so hätte ich Ihn für verrückt erklärt. Mein Name ist Angelika, ich bin 35 Jahre alt und zuckerfrei leben kam mir gar nicht in die Tüte. Auf gesunde Ernährung habe ich zwar immer mal mehr, mal weniger geachtet, aber auf Zucker zu verzichten, das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dafür mochte ich Schokolade, Kuchen, saure Würmer, Cola-Kracher, Eis und Co. doch viel zu sehr! Und außerdem empfand ich einen zuckerfreien Lebensstil einfach nur sehr übertrieben. Auf die Dosis kommt es doch an! Und außerdem gibt’s ja auch noch Light und Zero-Produkte. Also, so schlimm konnte es ja gar nicht sein. Schließlich trank ich eigentlich nur Cola Zero, keine zuckerhaltige. Aber was ich mir und meinem Körper damit antat, das konnte ich mir nicht vorstellen.

Ich bin ein Mensch, der gerne die Kontrolle über sein Leben und Abläufe behält. Das ist vielleicht ein wenig meinem Job geschuldet – als Bauleiterin ist die Kontrolle schon von Vorteil – aber vor allem plane ich unheimlich gerne und halte meine Pläne ein. Mein Job ist zeitweise sehr stressig, dazu kommt meine tägliche Pendlerei, aufgrund derer ich jeden Morgen vor 6 Uhr das Haus verlasse und meist erst am Abend zurück bin. Zum Ende des letzten Jahres war es mal wieder sehr stressig. Und meine Schreibtischschublade prall gefüllt mit reichlich Nervenfutter. Schokolade, Plätzchen und Co. „halfen“ mir in den stressigen Momenten neue Energie zu schöpfen. Das redete ich mir zumindest ein. Tatsächlich war jedoch das Gegenteil der Fall. Im ersten Moment fühlte ich mich fitter, im nächsten umso erschöpfter. So befand ich mich schnell in einem Teufelskreis. Süßes hätte ich inhalieren können. Die mir ach so wichtige Kontrolle hatte ich verloren. Ich war nicht mehr in der Lage kontrolliert Süßes zu konsumieren. Das ärgerte mich umso mehr, also war ich zu dem Zeitpunkt durch und durch unzufrieden mit mir. Und ich war so erschöpft!

Ab Weihnachten hatte ich Urlaub und erst einmal 3 Wochen die Möglichkeit mich zu akklimatisieren. Ich plante schon seit einiger Zeit wieder ernährungstechnisch durchzustarten und bewusster auf meine Ernährung zu achten. Dafür schien mir der Urlaub der ideale Zeitpunkt. Zwischen den Jahren traf ich mich mit einer Freundin zum Cocktailabend. Im Laufe des Abends kamen wir dann natürlich auch auf das Thema Ernährung. Und das war für mich der Moment, in dem es Klick machte. Meine Freundin lebt schon seit Jahren weitestgehend zuckerfrei. Das wusste ich schon lange, aber es war mir nie so bewusst. Sie erzählte mir, wie es ihr damit erging und ich wurde neugierig. Am nächsten Morgen kaufte ich mir direkt mein erstes Buch zum Thema „Zuckerfrei“. Und ich verschlang es. Nein, ich inhalierte es. Und mit dem Lesen kam der Wille, mir zu beweisen, dass ich das Süße gar nicht brauche. So stand mein Entschluss fest: ab 1.1.19 lebe ich 100 Tage zuckerfrei! Und so startete ich. Radikal! Zuckerhaltiger Senf, aussortiert. Zuckerhaltige Gemüsebrühe, weg. Angebrochene Schokolade und Co: ab in den Mülleimer. Ich wollte nix Süßes in meiner Nähe haben – und damit meine ich nicht nur das offensichtliche Süße, nein auch die Produkte in denen Zucker in irgendeiner Art versteckt ist.

Inzwischen lebe ich seit 75 Tagen weitestgehend zuckerfrei. Weitestgehend sage ich ganz bewusst. Ich würde sehr gerne komplett zuckerfrei leben, aber derzeit erlaubt mir mein privates Programm nicht mehr. Ich komme nicht immer dazu vorzukochen, manchmal gehe ich mit Kolleginnen oder Kollegen in der Pause was essen. Ich frage zwar nach, ob Zucker im Essen ist, viele verstehen aber gar nicht, was alles unter Zucker zu verstehen ist. Also greife ich gezielt zu den Dingen, in denen ich beim besten Willen keinen Zucker vermute. Falls dann doch mal was drin sein sollte, ist das für mich im Moment okay. Den Rest der Zeit genieße ich mein selbstgekochtes Essen, snacke Nüsse und Samen, zelebriere inzwischen mein tägliches Frühstück mit frisch gerösteten Nüssen, Samen, Kokosflocken, meide alle Light Produkte, auch Cola Zero gibt’s nicht mehr. Meine Kollegen waren anfangs skeptisch. Wobei nicht im negativen Sinne. Für viele – und das kann ich nur zu gut verstehen – ist es schwer vorstellbar ohne Zucker zu leben. So ging es mir ja auch.

Aber es ist so schön, nicht mehr abhängig zu sein! Heißhungerattacken habe ich nicht mehr. Lust auf Kuchen und Schokolade, habe ich nicht. Ich habe wieder die Kontrolle über mein Essverlangen!

Ich esse Obst – also Fruchtzucker im natürlichen Zustand – und vollfette Milchprodukte. Aber nur auf natürlicher Basis. Sprich Naturjoghurt, Naturquark etc. Und ganz nebenbei purzeln langsam die Pfunde – jedoch ohne das Gefühl des Verzichts.

Ich habe mir Rituale angewöhnt – meine tägliche Yogasequenz gehört inzwischen einfach dazu. Ich höre mehr auf mich und meinen Körper. Mehrmals die Woche genieße ich meine goldene Milch, die ich mit 1-2 Datteln süße. Datteln sind generell ein beliebter Snack geworden. Gefüllt mit einer halben Walnuss, genieße ich sie gerne nach meinem Mittagessen. Ob ich das Gefühl habe, etwas zu verpassen? Nein! Ich glaube, gerade jetzt ist der richtige Moment das Thema zuckerfrei anzugehen. Die Umwelt ist sensibilisiert! Mein Lieblingscafé backt jede Woche einen ungesüßten Bananenkuchen – das ist doch super!

Ich fühle mich rundum wohler. Und genau deshalb bin ich inzwischen von meiner 100 Tage Challenge abgekommen. Ich möchte diesen Selbstversuch gar nicht mehr zeitlich begrenzen. Nein, ich will ihn einfach leben. Ohne Enddatum. Mit dem ein oder anderen Ausnahmetag. Der kommt nämlich im Mai, wenn ich heirate. Und dann, ja dann freue ich mich schon auf ein Stück meiner Hochzeitstorte! Aber danach? Danach darf es gerne wieder zuckerfrei weitergehen. Es ist wichtig einen Lebensstil zu finden, mit dem man sich rundum wohl fühlt. Als Missionar durch die Lande zu ziehen und jedem vom bösen Zucker zu erzählen, das liegt mir fern. Über das Thema gibt es so viele Berichte, Bücher und Co. Wer daran interessiert ist, kann alles nachlesen. Mir ist es wichtig, dass man sich selbst – ganz bewusst – etwas Gutes tut. Und
dann hat man allen Grund darauf, stolz auf sich zu sein.

In diesem Sinne: findet Euren Weg! Probiert Dinge aus, hört auf Euch und Euren Körper. Er
dankt es Euch!

Eure Angelika

(Web: neinzuzucker.wordpress.com, Instagram: zuckerfrei_und_spass_dabei)

3 Comments
  1. Zuckerhaltiger Senf => da musste ich schmunzeln. Seit ich selber Zucker in jeglicher Form auf dem Index gesetzt habe, finde ich es jedes Mal wieder erstaunlich, wo man (die Industrie) doch überall das Zeug hinein gibt. Man muss sehr aufpassen. Noch besser: man macht einfach alles selber 🙂 Dann lernt man auch ordentlich dazu

    1. Das stimmt Hauke, man glaubt gar nicht in welchen Lebensmitteln überall Haushaltszucker, Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe versteckt sind. Sein tägliches Essen natürlich zukaufen oder selbst zu machen, ist auf jeden Fall eine bessere Option. Das musste ich in den letzten 6 Monaten auch erst lernen und kann heute sagen, es bildet auf jeden Fall weiter;-)

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